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Wer zuletzt schweigt…

Ich kann mit schweigsamen Männern nicht umgehen.
Ihr wisst schon, jene Männer, die sich ganz plötzlich in die Tiefen ihres Selbst zurückziehen und mit der Aura eines erschöpften Helden umgeben. Die mit dem „Sprich mich nicht an!“- Schild auf der Stirn und dem leidenden Gesichtsausdruck, weil die Welt zu retten so verdammt anstrengend ist. Die mit der größtmöglichen Beachtung in Ruhe gelassen werden möchten.
Icke kann das auch und ich hasse es.

Jemand zu Hause?

Er sitzt vor dem Fernseher und guckt sich eine Tierdokumentation an.
„Du Icke?“
„…“
„Icke?“
„….“
HALLOOOOOO?! Jemand zu Hause?“
„Lass mich!“, knurrt er.
„Wie wäre es, wenn du mal antwortest?“
„Bin beschäftigt.“
„Das sehe ich. Ich wollte nur wissen, ob du…“
„JETZT NICHT! Ich brauche mal fünf Minuten für mich.“

Meine Augen werden zu Schlitzen. Im Fernsehen beißt gerade eine Gottesanbeterin ihrem männlichen Artgenossen den Kopf ab. Meine Diskutier-Laune steigt überproportional zu Ickes Schweigen. „Gehts noch? Normalerweise bist du es, der mich den lieben langen Tag vollquasselt, ohne Rücksicht auf meine zerbrechliches Nervenkostüm, und jetzt sagst du mir, du brauchst mal – fünf – Minuten – für – dich?“
„Jepp!“
„Was soll das?“
„Is genetisch so festgelegt. Wir Männer müssen uns ab und an zurückziehen. Ein Überbleibsel aus der Steinzeit.“
„Du meinst, du kommst erschöpft von der Mammutjagd und kriechst in deine Höhle, um auszuruhen?“
„Exakt!“
„In die Höhle, die ich aufgeräumt und gefegt und geputzt habe?“
Icke starrt weiter auf den Fernseher und schiebt sich eine Handvoll Chips in den Mund.
„Und ich soll jetzt vor der Höhle hocken, dafür sorgen, dass dich keiner stört und in der Zwischenzeit dem Mammut schon mal das Fell abflämmen?“
„Zum Beispiel. Du könntest mir aber vorher noch ein Bier bringen.“
„Träum weiter. Außerdem, mit deinem Bierbauch könntest du nicht mal eine Feldmaus erlegen, geschweige denn ein Mammut.“

Schon gut…!

Mit verschränkten Armen setze ich mich neben Icke aufs Sofa, lege die Beine hoch und schweige, so laut ich kann. So lange, bis Icke nervös wird und er mich von der Seite ansieht. „Ok, sag schon, was wolltest du fragen?“
„Och, nichts!“
„Raus mit der Sprache!“
„Ne, schon gut.“
„Boh, das ist ja so typisch Frau. Erst reden wollen und wenn ihr dann nicht gleich die richtige Antwort bekommt, seid ihr beleidigt.“
„Ich bin nicht beleidigt.“
„Sondern?“
„Nix!“
Wir schweigen weiter und dann, in der Werbepause, sage ich beiläufig: „Ich wollte nur wissen, ob du weißt, dass das Bier alle ist.“
Icke glotzt mich entsetzt an. „Hast du keins gekauft?“
„Nö, ich war damit beschäftigt, die Höhle zu putzen und jetzt bin ich ganz erschöpft. Aber vielleicht kannst du losziehen und einen Kasten Bier erlegen? Bist ja jetzt ausgeruht. Die Chips sind übrigens auch leer.“
„Es ist kurz vor Ladenschluss! Wo soll ich denn da jetzt Bier und Chips herkriegen?“
„Keine Ahnung. Aber mir ist jetzt auch nicht nach reden, weißt du? Ich muss mal einen Moment entspannen.“
Icke springt auf. „Du bist sowas von blöd!“
Ich lächle, verharre stumm und sehe zu, wie im Fernseher gerade eine Spinne eines ihrer Opfer bei lebendigem Leib einspinnt. Langsam, systematisch und … schweigend.
Manchmal, da ist nicht reden auch irgendwie schön…

Mit Schreib und Seele,
TINA

4 Kommentare

  1. Sabine Nikolai 21. August 2019

    Mein 2. Icke-Beitrag, ich LIEBE ihn, so authentisch, so genial, frech und stur…………

    • Tina Autor des Beitrages | 21. August 2019

      Stur ist untertrieben 😂😂 Danke Sabine!!!

  2. Gerrit 21. August 2019

    Armer Icke!
    Wir haben es schon nicht leicht! Ich bewundere seine Geduld…. das ist echte Zuneigung!!

    Solidarität!!!!

    • Tina Autor des Beitrages | 21. August 2019

      Na super Gerrit! Jetzt will Icke sich einen Vollbart wachsen lassen und denkt darüber nach, einen rein männlichen Icke-Fan-Club zu gründen…
      Danke! *stöhn*!!

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