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Männer bohren anders

„Entschuldigung, haben Sie diese Bohrmaschine vielleicht noch eine Nummer kleiner?“
„Da muss ich mal schauen. Die Farbe ist in Ordnung? Wir hätten die auch noch in rosa-kariert oder, im Moment ganz angesagt, mit Streifen.“
„Oh ja, die probiere ich mal! Ach, und da hinten habe ich eine Stichsäge gesehen. Gibt es die auch mit V-Ausschnitt?“
„Selbstverständlich. Bringe ich Ihnen sofort. Dazu passend haben wir übrigens in diesem Sommer ganz entzückende Naturborsten-Besen mit Holzstil. Die sind sehr gefragt.“

Passt, wackelt und hat Luft

Solche Szenen wird man in einem Baumarkt nicht finden. Der Mann als solcher ist offenbar eher einfach gestrickt. Heimwerker-Maschinen gibt es nur in langweiligen Farben. Nichts fürs Auge. Dafür sind diese ganzen Geräte immer nur für pfannengroße Männerhände gemacht. Als Frau kann man die Dinger nie gleichzeitig festhalten UND ein- oder ausschalten. Was soll das? Ist das Absicht? Ja, das ist Absicht! Damit wir ja nicht besser bohren als die Männer, stimmts?
Vermutlich kaufen Männer Bohrmaschinen wie Hosen. Angucken, bezahlen und dann ein Jahrzehnt lang tragen, ohne Rücksicht auf modische Trends. Passt, wackelt und hat Luft. Hauptsache es ist ein Motor dran und macht einen Höllenlärm. (Hosen mit Motor … ich sag jetzt mal nix!)
Icke meint, Männer bräuchten dieses ganze Brimborium nicht, was wir Frauen da immer veranstalten. Ich hingegen glaube, dass Männer sich zu Hause dann doch heimlich mit dem neu erworbenen Winkelschleifer vor den Spiegel stellen und gucken, ob er eine gute Figur macht. Den Bizeps schön betont.

Schraube locker

Sobald wir einen Baumarkt betreten, verliert Icke den Verstand. Breitbeinig und mit wissendem Blick latscht er durch die Regalreihen und findet alles nützlich. Während ich nur nach einer Gießkanne suche, begeistert er sich für den 50 Meter langen Gartenschlauch mit integriertem Spiralgewebe. Selbstverständlich UV-resistent. Dazu eine Spritzdüse mit stufenlos einstellbarem Strahl. Natürlich!

Die Eisenwaren-Abteilung ist die Hölle. Ich suche eine Sorte Schrauben, deren Größe ich mir auf einen Zettel geschrieben habe. (Um sicher zu gehen, falls mal rein zufällig kein beratender Mitarbeiter zur Stelle ist.) Aber Icke schaufelt mit vollen Händen Familienpackungen Kreuzschrauben, Nägel, Haken, Ösen, Spreizdübel und Unterlegscheiben in den Einkaufswagen. „Kann man immer gebrauchen“, sagt er trocken und wirft noch ein paar „Aufschraubkloben“ hinterher, von denen niemand weiß, wozu man sie benötigt.

Ich gehe in die Gartenabteilung auf der Suche nach einer hübschen kleinen Geranie für die Terrasse. Oder ein schickes Zitronenbäumchen? „Was meinst Du, Icke, würde das nicht…“ Aber Icke ist nicht da. Voller Panik eile ich durch alle Regale, durchkämme die Sanitär-Abteilung und finde ihn schließlich in der Abteilung für Arbeitskleidung. Icke probiert Latzhosen an. Ihm gegenüber steht ein Mann in einem Holzfällerhemd, an dem noch das Preisschild baumelt. (Am Hemd, nicht am Mann!)
„Und, wie ist die?“ fragt Icke den Typen. Der kratzt sich den Bart. „Jo! Hab ich auch. In die Brusttasche passt auch ne Flasche Bier.“
Icke nickt zufrieden. In der Hose sieht er aus wie Peter Lustig. Nur, dass der keinen dicken Bauch, dafür aber Ahnung hatte und sympathisch war.

Stil ist nicht das Ende des Besens

Ich zerre Icke zur Kasse. Dort klaubt er noch zehn Rollen Kreppband, ein Hundert-Meter-Maßband und Arbeitshandschuhe aus Rindspaltleder vom Wühltisch und zwinkert der Kassierin zu. „Die Dame zahlt!“
Ich beuge mich vor. „Entschuldigung, ich habe den schnellhärtenden Beton vergessen, um eine Leiche verschwinden zu lassen.“
„Den gibt es im Drive In. Kurz vor der Ausfahrt rechts“, sagt die Kassierin und lächelt mir mitfühlend zu.
Icke schiebt den vollen Einkaufswagen zum Auto und tut so, als kehre er erfolgreich von einer Großwildjagd zurück. Zufrieden und erschöpft lässt er sich auf den Beifahrersitz fallen, während ich den ganzen Plunder in den Kofferraum räume und mir klar wird, dass ich es hier mit einer riesigen Marktlücke zutun habe.
Ganz ehrlich? Warum nicht mal einen Baumarkt für Frauen? Wo man vielleicht beim Anprobieren ein Gläschen Sekt gereicht bekommt. Mit leichter Lounge-Musik im Hintergrund. Dann hätte ich jetzt eine Geranie, eine Gießkanne und Schrauben in der passenden Größe. Und vielleicht das eine oder andere schicke Strohhütchen, nebst ein paar hübschen Gummistiefel mit einem kleinen Absatz, passend zur Gärtnerschürze…

Mit Schreib und Seele,
TINA

7 Kommentare

  1. Ralf 10. Juli 2019

    You’ve made made my day

    • Tina Autor des Beitrages | 10. Juli 2019

      Ich bin ja so froh, dass du als Mann mir das schreibst!!!! 😍

  2. Muschelschubser 10. Juli 2019

    😂😂😂 armer Icke!
    Hat es nicht leicht mit Dir. Wie war das noch bei Ikea als Du mit den Teelichtern, Kerzen und dem ganzen Klimbim auf’em Arm noch Hot Dogs essen wolltest? 🤪

    • Tina Autor des Beitrages | 10. Juli 2019

      Bei Ikea gelten völlig andere Regeln! Wenn Icke dort ins Småland ins Bällebad darf, darf ich auch Hotdog! Punkt!!!

  3. Cathrin 15. Juli 2019

    Gläschen Sekt beim Schraubenkauf !!! Tina, Du würdest reicht mit deinem Frauen-Baumarkt! 😁😁😁

  4. Margrit 16. Juli 2019

    Frauen-Baumarkt? Gibt es da auch rosa Dübel und Schrauben, die sich von selbst rein Schrauben? Eine Bücherecke darf natürlich auch nicht fehlen. Schließlich braucht Frau hilfreiche Ratgeber z. B. „Wie angle ich mir den hübschen Gärtner von Nebenan“ oder „Die einfache Montage von Lufthaken“. 😁

    • Tina Autor des Beitrages | 18. Juli 2019

      ja unbedingt!! Es wird auch Bilderrahmen geben, die man einfach an die Wand wirft und sie hängen genau da, wo sie sollen…und das auch noch gerade!
      Und das Beste: man kann sich dort einen netten Handwerker abonnieren, der immer dann kommt, wenn man bei Ikea war und jemanden braucht, der alles aufbaut und frau davor bewahrt, während eines Wutanfalls schreckliche Dinge zu tun 🙂

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