Drücken Sie „Enter“, um den Inhalte zu überspringen

Ich hasse Ping-Pong

Die Strand- Saison kommt immer genauso unvermittelt wie Weihnachten. Ganz besonders auf Mallorca.
Kaum hat man den Weihnachtsschmuck in den Schrank geräumt, muss man auch schon den Bikini hervorkramen. Und dann geht das Drama los.
Christbaumkugeln kann man jedes Jahr wieder aufhängen, aber ein Bikini vom Vorjahr wirft Fragen auf. Hat den jemand in meinem Schrank vergessen? Wieso ist der so klein?!!! Ist es überhaupt ein Bikini?

Strand-Kleidung

„Tja, ein paar Nougat-Eier und Schoko-Nikoläuse weniger wären vielleicht nicht schlecht gewesen“, kommentiert Icke mein Dilemma.
„Eine Bikini-Figur hat man, sobald mal einen Bikini trägt“, erwidere ich trotzig und betrachte mich im Spiegel. Viel schlimmer, als dass der Bikini etwas stramm sitzt, ist die Tatsache, dass ich über die typische „Bauarbeiter-Bräune“ verfüge. Beine und Arme halbwegs braun, der Rest ist so weiß, als hätte ich versehentlich in Domestos gebadet. Ich denke kurz über die Verwendung von Selbstbräuner-Creme nach, aber als Streifenhörnchen will ich auch nicht zum Strand.
Apropos Streifenhörnchen: Als Icke, der ja leider unbedingt mit ans Meer will, in einem blau-weiß geringelten Männer-Badeanzug im Stil der Fünfziger aus dem Badezimmer kommt und „vamos a la playa“ singt, hoffe ich einen kurzen Moment, dass er vielleicht nicht schwimmen kann. Oder Haie ihn … nun ja.

Strand-Ordnung

Am Strand angekommen, zieht Icke den Bauch ein und stolziert, wie einst David Hasselhoff, an der Wasserkante entlang, während ich mich möglichst vorteilhaft auf meiner Sonnenliege zurechtrücke. Ich drapiere ein Buch und die Sonnencreme um mich herum, genieße das Schwappen der Wellen, den Blick auf den endlosen Horizont und das Gebrüll des Kindes unter dem Nachbarschirm. „Der Mann da hat meine Sandburg putt gemacht!!!!!!“, schreit es und zeigt auf Icke. Die Mutter setzt zum Mord an, aber Icke hat gute Argumente. „Gute Frau, die Ausführung der Sandburg Ihres Sohnes war schlampig und statisch unzulässig. Ich empfehle, aus rein pädagogischen Gründen, dass er die Burg noch einmal baut. Und zwar ordentlich.“
Die Frau schnappt nach Luft. Ich stelle mich schlafend. Lasse mich vom Schreien der Möwen hinweg tragen, träume von Delphinen und einem neuen Bikini, bis Schimpfworte der übelsten Sorte an mein Ohr dringen.

Strand-Spiele

Ich richte mich auf und sehe, wie Icke einem Mann den Ping-Pong Schläger aus der Hand reißt und im hohen Bogen ins Meer schleudert. Der ohnehin schon sonnenverbrannte Mann läuft dunkelrot an und ballt die Fäuste. Ein Kind, mit dem zweiten Schläger in der Hand, steht mit offenem Mund daneben. Beunruhigt bemerke ich, dass nun auch noch der Rettungsschwimmer von seinem Wachturm klettert und der Szene entgegen eilt.
Gott, sieht der gut aus in dieser Uniform, die aus nichts als einer knappen roten Shorts und seinem muskulösen, nacktem Oberkörper besteht.
Hastig verlasse ich meine Liege und schreite ein. „Es ist alles in Ordnung. Beruhigen Sie sich. Dieser Mann hier“, ich deute auf Icke, „leidet an einer unkontrollierbaren, emotionalen Dysfunktion und hat heute morgen wohl seine Tabletten vergessen. Tut mir leid.“ Ich grinse stumpfsinnig, denn eigentlich empfinde ich Ping-Pong spielen am Strand auch als Nötigung.
„Kann isch helfen?“, fragt nun der Rettungsschwimmer mit hinreißendem spanischen Akzent, und ich wünschte, ich würde gerade in Seenot geraten.
„Nein, nein, alles gut. Er ist mein Onkel … vierten Grades“, erwidere ich, nur damit bei dem jungen Mann keine Missverständnisse aufkommen.
„Pass mal auf, du Clown“, herrscht Icke ihn an. „Sieh mal lieber zu, dass du deinen Strand hier in den Griff kriegst. Wenn du schon nicht für Ruhe und Ordnung sorgst, sammel wenigstens mal etwas Müll auf. Wie das hier aussieht!“

Strand-Ruhe

„So Icke, wir beiden gehen jetzt mal schön zu unserem Platz zurück und schlucken artig ein paar Pillen.“ Ich packe ihn am Ellbogen und bugsiere ihn, nicht ohne dem Rettungs-Adonis ein verführerisches Lächeln zu schenken, auf seine Liege.
„Mann, kannst du dich nicht einmal benehmen wie ein normaler Mensch?“
„Ich bin nebenberuflich Touristen-Kritiker, schon vergessen? Und ich hasse Ping-Pong. Federball auch.“
„Halt jetzt die Klappe und schlaf! Ich gehe mal ins Wasser.“

Das Meer ist noch kalt. Sehr kalt. Tapfer dümple ich extra lange darin herum und versuche, dabei möglichst elegant-hilflos auszusehen, in der Hoffnung, dass der nette Rettungsschwimmer mir besorgt zur Hilfe eilt. Doch das Einzige, was zu mir Kontakt aufnimmt, ist eine aufdringliche Qualle und eine klebrige Plastiktüte. Aber was solls? Immerhin ist mein Körper jetzt nicht mehr weiß-braun gestreift, sondern rot-dunkelrot gefleckt. Das ist doch schon mal was. Vielleicht kann ich den Sommer über als Boje arbeiten. Bojen sind sehr wichtig und tragen keinen Bikini …

Mit Schreib & Seele,

TINA

10 Kommentare

  1. TinaAssika 19. Juni 2019

    Herrlich! 🙂
    Das Wort „Ping-Pong“ hatte ich schon seit Jahrzehnten nicht mehr gehört. 🙂
    Ich grinse so vor mich her, Danke!

    • Tina Autor des Beitrages | 19. Juni 2019

      Ha, je öfter ich das Wort geschrieben habe, desto unsicherer wurde ich, ob es das überhaupt gibt 😁 Sching Schang Schong, weg ist das Ping Pong!!

  2. Susanne 19. Juni 2019

    Oh liebe Tina,
    wie gerne hätte ich die Szene gemütlich von einem der Nachbarsonnenschirme aus beobachtet 😎
    …und bei der radikalen Beendigung des PingPong Beifall geklatscht 🏓👍
    Herzliche Grüße
    Susanne

    • Tina Autor des Beitrages | 19. Juni 2019

      Gut zu wissen, Susanne!!!
      Herzliche Grüße zurück!! (PingPong Grüße sozusagen 😁)

  3. Muschelschubser 19. Juni 2019

    Bei Ping und Pong seh ich auch rot. Verstehe Icke bestens, hier nerven auch immer die Sommervandalen am Strand. Besonders die aus NRW , Klaus laß das, Henriette reib Dich ein, Erwin mach mir ma nen Bier los.
    Können die nich einfach mal am Strand liegen und das Rauschen der Wellen genießen.
    Erwin wir müssen los ….
    Ruhe tritt ein, die Brandung ist zu hören, es kann so schön am Strand sein

    • Tina Autor des Beitrages | 20. Juni 2019

      Och, die aus NRW sind doch immer nett!!!!!

    • Tina Autor des Beitrages | 20. Juni 2019

      Hahhhhhaha!!!! 😂 Danke!!!

    • Tina Autor des Beitrages | 10. Juli 2019

      Liebe Grüße von uns zurück in die Berge!! 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.