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Icke for President

Icke und ich sitzen in einem Restaurant. Manchmal muss man seinen Kritiker milde stimmen und das geht bei ihm am besten mit Essen.
Da sitzt er nun und stopft sich mit Brot und Aioli voll.
„Iss nicht so viel davon, sonst hast du gleich keinen Hunger mehr“, ermahne ich ihn.
„Ja Mami!“antwortet er und steckt sich noch eine Olive in den Mund. Ich versuche zu ignorieren, dass er schmatzt, und verwickle ihn stattdessen in ein nettes Gespräch. „Sag mal, wolltest du eigentlich immer schon Kritiker werden?“
„Ne, ursprünglich wollte ich Präsident werden.“
„Von was?“
„Egal. Hauptsache Präsident.“
„Und warum bist du es nicht geworden?“
„Ach, weiß auch nicht. Ich war jung und brauchte das Geld. Also habe ich erstmal eine Ausbildung als Personenkritiker gemacht. Wie das eben so ist.“
„Bereust du das denn?“
„Ich hatte davon geträumt, in die Politik zu gehen. Aber irgendwie bin ich dann bei dir gelandet. Tja…“
Ich bin ein wenig beleidigt, wittere aber plötzlich meine Chance. „Oh, tu‘ dir keinen Zwang an. Kannst dir gerne was anderes suchen. Bewirb dich doch in den Staaten. Ich glaube, die suchen demnächst einen neuen Präsidenten.“
„Ne, lass mal. Ich glaube, ich hätte keinen Bock, jeden morgen früh aufzustehen und mit einem Haufen durchtrainierter Bodyguards im Park joggen zu gehen. Is nicht so mein Ding.“
„Aber Abwechslung täte dir mal gut. Soweit ich weiß, kann man als Staatsoberhaupt auch den ganzen Tag essen und fernsehen, soviel man will.“ Vor meinem inneren Auge sehe mich schon am Flughafen stehen und Icke zum Abschied zu winken.
Der Kellner kommt mit dem Essen. „Einmal das Schnitzel mit extra Pommes. Und für die Dame der Frühlingssalat mit Joghurtdressing. Ohne Öl.“
„Das wurde aber auch Zeit!“, grummelt Icke. Er lehnt den Ellbogen auf den Tisch, beugt sich vor und fängt an, in sich rein zu schaufeln.
„Vielleicht könnte man dir woanders auch mal Benehmen beibringen? Das ist echt peinlich, wie du da über deinem Teller hängst!“
„Kritiker und Präsidenten müssen sich nicht benehmen, Schätzchen. Konzentrier dich lieber darauf, dass du an deinem Grünzeug da nicht erstickst.“
Ich stochere in meinem Salat herum und denke nach. „Du könntest ja auch vielleicht mal ein Jahr gar nichts machen, mhm? Karibik, Meer, Palmen…! Wäre das nichts? So eine Art Sabbatical. Du wirkst ein wenig überarbeitet.“ Icke rülpst. „Gib dir keine Mühe, du wirst mich nicht los. Reich mir lieber mal die Dessertkarte. Ich glaube, die haben hier Schokoladentorte.“

Ich gebe auf. Morgen werde ich im Internet recherchieren. In irgendeinem Land werden sie doch einen Präsidenten suchen. Oder einen König. Diktator. Meinetwegen auch ein Au-pair. Hauptsache schön weit weg.

Mit Schreib und Seele,
TINA

8 Kommentare

  1. Ralf Borlinghaus 27. März 2019

    Wunderbar

    • Tina Autor des Beitrages | 28. März 2019

      hach! Danke RALF!!!

  2. Annemarie Meyer 27. März 2019

    Liebe Tina, du arme gequälte Seele! Leider habe ich keinen Lösungsvorschlag, ich kann dir nur mein tiefes Mitgefühl ausdrücken!

    • Tina Autor des Beitrages | 28. März 2019

      Danke Annemarie, ich wusste schon immer, dass DU mich verstehst 🙂

  3. TinaAssika 27. März 2019

    Mich würdest du auch nicht loswerden, wenn es Schnitzel mit Pommes gibt. 😃
    Vielleicht hilft eine allgemeine Umstellung auf Rohkost … Und Schwupps, Icke fliegt ab.

    Frühlingssalat klingt fein. 😋
    Es war, als würde ich an eurem Nachbartisch sitzen. 😉

    • Tina Autor des Beitrages | 28. März 2019

      Tina, das ist eine gute Idee!!! Das ich da noch nicht drauf gekommen bin. Fastenzeit für Icke!!
      Hab ja bis Ostern noch Zeit, ihn auszuhungern 🙂

  4. Margrit 27. März 2019

    Da wäre ich vorsichtig Tina. Kaum ist König Icke gekrönt, schon nimmt er den nächsten Flieger zurück zu dir. Dann steht er mit seinem Krönchen vor dir und lässt sich die Hand küssen. Vielleicht hast du ja Glück und die Airline streikt oder meldet Insolvenz an. Aber…… – übrigens einen Gruß an Icke, das mit dem Krönchen ist mir so raus gerutscht. A

    • Tina Autor des Beitrages | 28. März 2019

      Mhm…ich hatte die Hoffnung, dass er es toll findet, dass er dann 24 Stunden am Tag im Mittelpunkt steht und dort bleibt.
      Meinst du wirklich, er käme zurück???????? Auch vom Nordpol?

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