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Das Fußbett des Lebens

Ich wurde geboren, um Halbschuhe zu tragen. Halbschuhe mit Schnürsenkeln. Keine Sandälchen, keine Ballerinas, keine Diskussion! Denn im Sauerland gibt es Pfützen. Tiefe, große Pfützen und es gibt sie das ganze Jahr. Da man als Kind diesen Pfützen nicht ausweichen kann oder auch nicht will, kriegt man eben Halbschuhe. Wetterfest. Schluss, aus, fertig!
In manchen Teilen der Welt wird für junge Mädchen ein Ehemann ausgesucht. Bei mir war es eben das Schuhwerk. Wobei die Regeln dieselben sind: Die Wahl wird nicht aus Liebe getroffen, sondern aus rein pragmatischen Gründen. Wenn es einigermaßen gut läuft, entwickelt sich mit der Zeit dann schon eine Beziehung. Bei mir lief es gut. Leider. Wie könnte es in wetterfesten Halbschuhen auch anders laufen als gut?

Für Gut

Ich hatte sogar das zweifelhafte Glück, gleich zwei Paar zu besitzen. Die „Guten“ für die Schule und die „Alten“ zum Spielen. Mit den Guten hatte ich gefälligst anständig zu gehen und nicht immerzu vorne mit der Spitze irgendwo vorzutreten – schon gar nicht mutwillig! Da man als Kind aber keine Vorstellung davon hat, was anständig gehen ist, wurden die guten Schuhe irgendwann zwangsläufig zu den alten und folglich mussten hin und wieder ein Paar neue „Gute“ her.
Im Schuhgeschäft saß ich dann auf einem dieser Anprobier-Hocker vor einem bunten Sortiment Mädchenschuhe und war entzückt. Da waren sogar welche mit winzig kleinem Absatz, die ich begeistert anprobierte. Ich bemühte mich, damit so normal wie nur möglich zu gehen, aber es war jedesmal das gleiche Drama. Die Schuhe schlackerten und rutschten mir von der Ferse. Die Stimmung im Schuhladen wurde mit der Zeit immer angespannter, die Auswahl immer kleiner und schließlich war dann auch die Farbe egal. Hauptsache die Schuhe passten! Ich hasste die Verkäuferin, wenn sie mit dem Daumen vorne auf der Kappe herumdrückte, zufrieden nickte und mit dem Hinweis, die Schuhe hätten auch ein Fußbett, mein Halbschuh-Schicksal besiegelte.

Gekauft und verraten

„Mein erstes Mal“ erlebte ich mit vierzehn, an meiner Konfirmation. Ich durfte Ballerinas tragen. Bei der Anprobe verschwieg ich, dass die Dinger an der Hacke drückten wie verrückt und mein großer Zeh eingeklemmt war. Ich wollte diese Schuhe haben! Blau, mit weißen, überkreuzten Zierbändchen am Rand. Ich schaffte mit den Dingern den Gang zum Altar und wieder zurück. Danach standen mir vor Schmerzen die Tränen in den Augen und meine Füße und meine Seele brannten wie Feuer. Die Schuhe versauten mir den ganzen Tag, landeten schließlich in der Versenkung und ich fühlte mich von ihnen verraten.

Unglück hat breite Füße

In meinem späteren Leben konzentrierte ich mich dann erst recht auf jene Modelle, die mir nicht Pfützen tauglich erschienen. Mit Absatz, schmal, offen, bunt, schwarz, elegant, sportlich. Ich probierte sie alle. Klackerte damit wie verrückt über den Asphalt und bezahlte meine Versuche meistens mit schmerzhaften Blasen und Wadenkrämpfen.
Aber ich habe nie aufgegeben. Neulich unternahm ich den wagemutigen Versuch, mit hochhackigen Stiefeletten auszugehen. Als ich an Icke vorbei stöckelte, meinte der nur lapidar: „Die einen könnens, die anderen nicht.“ Muss ich mir sowas von einem sagen lassen, der den lieben langen Tag ausgelatschte Gesund-Treter trägt?
Vielleicht hättet man mir doch besser einfach nur einen Mann ausgesucht? So einen ganz bequemen, wetterfesten, bei dem die Farbe auch eigentlich keine Rolle spielt? Der atmungsaktiv ist (ohne zu schnarchen), der nicht drückt, nicht kneift und erst recht nicht schlackert? Einen, mit dem man durch jede Pfütze kommt?
WARUM mussten es denn unbedingt Halbschuhe sein???

Mit Schreib und Seele,
TINA

12 Kommentare

  1. Muscheschubser 20. März 2019

    Icke ist gut! Das mit der Mode ist eben so, das dat im Katalog meistens ganz anders aussah. Also bleib bei Deinen Sporties, die passen zu Dir. Und laß andere Modebewusste rumstöckeln und sich dem Gespött aussetzen.

    • Tina Autor des Beitrages | 20. März 2019

      naja Schuhe im Katalog kaufen macht man ja auch nicht 😉

  2. TinaAssika 20. März 2019

    🙂 🙂 🙂 Herrlich! 🙂
    Genau, warum wurde nicht ein Mann ausgesucht…. der ist min. 8 Stunden am Tag „Auf Arbeit“ und Frau hat Pause. Aber Schuhe trägt man, ne, ich meine Frau ja IMMER! 🙂 Ich durfte auch welche für „GUT“ haben. Aber das waren IMMER schwarze Lackschuhe! Und nun krieg ich `n Ohrwurm (Ob Barfuss oder Lackschuh… lalalala).

    Ach Tina, diese Traumata aus der Kindheit wird man niiiiie los. Glaub` es mir. 😉

    • TinaAssika 20. März 2019

      P.S.
      Weisst Du Tina, was ich nicht verstehe?
      Wie die Frauen im TV auch in ihrer Wohnung noch die Stöckelschuhe anhaben können. Mit gaaaanz schmalen aber hooohen Absätzen kochen sie, decken den Tisch, verabschieden ihre Fernseh-Kinnerchens an der Haustür….
      Nie aber auch Nie Nie Nie würde ich im Haus freiwillig diese Schuhe tragen.
      Aber auch nicht Lackschuh! 😉 Nur barfuss! 🙂

      • Tina Autor des Beitrages | 20. März 2019

        jetzt sagt nicht, du schläfst nicht mit Pumps, damit zu schon am frühen Morgen beim Aufstehen chic aussiehst???

        • TinaAssika 20. März 2019

          Ups…ertappt. Ich liebe es bequem an den Füßen….schon Socken engen mich zu sehr ein. 😉 Aber ist sicher seeehr sexy, mit Pumps im Bett. hihihi….Als ob Du Tina…. Ne Ne…. Mit Pferd & Hund …Du ganz sicher auch nicht. 😉

    • Tina Autor des Beitrages | 20. März 2019

      schwarze Lackschuhe mit weißen Strümpfen drin!???? RESPEKT!! 😀

      • TinaAssika 20. März 2019

        Na klar! Die weißen Söckchen mit Lochmuster und umgeklappten Spitzenrand. Kennste noch? Hardcore! 🙂

  3. Sylvia 20. März 2019

    … so ist das also, entweder schicke Schuhe oder einen Mann mit dem man durch Pfützen springen und im Regen laufen kann … (da denke ich nochmal länger drüber nach).

    Beim Lesen erinnerte ich mich daran, dass ich beim Schuhe kaufen für meine Qualen mit einem kleinen Büchlein belohnt wurde. Lurchi, Petz und andere nette Gestalten (die es bei Salamander gab) sollten davon ablenken, dass einem immer der dicke Zeh eingequetscht wurde, wenn die Verkäuferin mit diesem Schiebebrett um die Ecke kam … und bei der Anprobe kam sie einem mit dem Kopf so nahe, dass einem vom Haarspraygeruch die Luft wegblieb…

    Danke für diese Erinnerung 👣

    • Tina Autor des Beitrages | 20. März 2019

      bei Salamander gab es auch ne Rutsche 😉

  4. Cathrin 21. März 2019

    Ich kann mich sogar noch erinnern, dass es solche Röntgenkästen gab, in die man die Füße mit den neuen Schuhen hineinstellte. Dann konnte man oben auf der Scheibe die Knochen und alles andere sehen, in Grün, ganz chic. Leider verschwanden die Dinger schnell wieder wegen der Strahlung und es blieb beim Daumendruck meiner Mutter oder der Verkäuferin.

    • Tina Autor des Beitrages | 26. März 2019

      ne also so was fortschrittliches wie ein Röntgengerät gab es im Sauerland nicht 🙂

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