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Lawinengefahr!

Mein Schreibtisch ist großräumig mit rot-weißem Flatterband abgesperrt. Icke trägt Warnweste und Helm und streckt mir die Hand entgegen. „Halt! Sperrzone! Das Gebiet darf niemand betreten!“
„Icke, was soll der Unsinn?“
„Ich muss Sie bitten, umzukehren! Hier kommt niemand rein!“
„Hast du nen Knall. Kann ich bitte an meinen Schreibtisch?“
„Tut mir leid! Lawinengefahr!“
„Och ne komm, nicht schon wieder!“

Piste gesperrt

Dieses Theater macht Icke jedesmal, wenn ich einen neuen Text beginnen will. Dann stellt er überall Warnschilder und Absperrungen auf und es gelingt ihm immer wieder erstaunlich gut, mir Angst einzujagen. Das unbeschriebene Blatt bedeutet Gefahr. Man kann nicht sehen, was sich unter dem jungfräulichen Weiß verbirgt. Felsen? Löcher? Gletscherspalten? Womöglich irgendein steif gefrorener Wort-Yeti, der es auch nicht bis ans Ende geschafft hat? Heftige Wort-Stürme und plötzlich auftretendes Satz-Eis können zu Erfrierungen führen. Sauerstoffmangel, Orientierungslosigkeit, Krämpfe, Keks-Mangel, ja sogar der Hungertod kann einen ereilen. Und dann hört man ja auch immer wieder von Menschen, die über dem weißen Blatt dem Wahnsinn verfallen sind.

Pistensau

Allzu oft schenke ich Icke Glauben, trete den Rückzug an und fahre frustriert mit der Gondel zurück ins Tal der Wortlosen.
Manchmal schaffe ich es aber auch an ihm vorbei. Dann gilt es, nicht lange nachzudenken. Einfach loslegen! Zuerst im Schneepflug die ersten Absätze hinabgleiten. Dann, nach einigen gewagteren Bögen, immer mehr an Fahrt aufnehmen und schließlich das ganze Blatt ausfahren und in weiten Schwüngen von einer Seite zur anderen sausen.
Klar, das läuft nicht immer perfekt. Es kommt vor, dass ich plötzlich zu viel Tempo drauf habe und ungebremst ins Tal und übers Ziel hinaus schieße. Oder ich lande in tiefen Satz-Spalten und brauche lange, bis da wieder raus komme. Je steiler der Text und je lockerer die Buchstabendecke, desto größer die Gefahr, dass sich ganze Wortbretter lösen und einen mit sich reißen. Dann weiß man nicht mehr, wo oben und unten ist und muss versuchen, wieder an die Oberfläche zu gelangen. Bleibt nach der Lawine nur ein Haufen abgeknickter Wortstämme zurück, ist klar, die neue Idee war vielleicht doch eine Spur zu gewagt.

Pistenraupe

Letztens stand ich mitten auf dem weißen Blatt und kam weder vor noch zurück. Ich war irrtümlicherweise auf eine Buckeltext-Piste geraten und mir war die Kraft ausgegangen. Großkotz Icke sprang umgehend in seine Pistenraupe, schaltete das gelbe Blinklicht ein und eilt zu meiner Rettung. Dabei fuhr er alles platt, was ich bis dahin mühsam geschrieben hatte und als ich neben ihm im Führerhaus saß, sagt er: „Hab ich doch gleich gesagt! Für Dich reicht der Idioten-Hügel!“

Es gibt Leute, die einen neuen Text minutiös planen und nichts dem Zufall überlassen. Sicherungsseile, Haken, Ösen, Kompass, Karten des Geländes, Energie-Riegel und Funkgerät, alles wird vorher bereit gelegt. Gute Planung mindert die Absturzgefahr. Das leuchtet mir ein. Dummerweise setzt bei mir oft kreatives Tauwetter ein, wenn ich zu lange plane. (Abgesehen davon, dass ich ohnehin immer die Hälfte der Ausrüstung vergesse und Icke mir ständig die Energieriegel weg frisst!) Also stolpere ich oftmals einfach los und verliere auch schon mal den Faden. Aber…was wollte ich eigentlich sagen? Ach ja…

Pistengaudi

So ein neues Jahr, welches uns bevor steht, ist einem weißen Blatt nicht unähnlich. Keiner weiß, was uns erwartet und ob es uns gelingt. Also haben wir zwei Möglichkeiten. Entweder wir setzen uns zu Icke in den Sessellift und gucken uns alles nur von oben an, während uns die Füße einfrieren und wir immer und immer wieder die selbe Runde drehen. Oder wir werfen uns kreischend ins Vergnügen und es ist uns egal, wie behämmert wir aussehen, wenn wir auf dem Hintern den Abhang runter rutschen. Hauptsache, wir kommen an!
Und falls jetzt jemand die Augen verdreht: Es ist Jahresende. Da darf ich auch mal so altkluge Sachen schreiben. Seid froh, dass ich jetzt hier kein Gedicht aufsage oder Icke Euch was vorsingt!

In diesem Sinne, rutscht gut durchs neue Jahr, wir sehen uns mitten auf der Piste! ❤️

Mit Schreib und Seele,
Tina (& Icke)

13 Kommentare

  1. Petra 26. Dezember 2018

    Ja, werfen wir uns mit kreischendem Vergnügen auf die Piste!
    🙂

    Liebe Tina, Dir wünsche ich ein tolles, spannendes und kreatives Jahr auf Buckel- und sonstigen Pisten. Den Idiotenhügel kannst Du getrost dem Icke überlassen. Vielleicht kann er ihn ja singend runterschlittern. Singen würde ich ihn nämlich schon gern mal hören! 🙂
    Grüße an ihn – irgendwie mag ich ihn ja.

    Herzlich, Petra

    • Tina Autor des Beitrages | 26. Dezember 2018

      Nein, liebe Petra, du möchtest Icke nicht singen hören! Glaub mir 😀
      Dir auch ein richtig gutes Jahr 2019
      und Danke fürs hier vorbei lesen 🙂

      Tina

  2. Margrit 26. Dezember 2018

    Mit Icke im Sessellift? Dann doch lieber auf die Buckeltext-Piste. Hauptsache ich falle nicht in eine Satz-Spalte und erleide eine schwere Unter-Buchstabung. Dir auch einen guten Rutsch ins neue Jahr.

    • Tina Autor des Beitrages | 27. Dezember 2018

      Unter-Buchstabung ist ganz fies!!! Da muss man höllisch aufpassen! Am besten vorher schon mit Silben-Salbe einreiben 🙂
      Liebe Margrit, dir auch einen guten Rutsch und danke fürs hier lesen 🙂
      Tina

  3. Sylvia 26. Dezember 2018

    Wieder einmal wundervoll geschrieben. Dir und Icke wünsche ich ein tolles und inspirierendes 2019. Bleibt gesund und hört ja nicht auf uns an Euren Ickeligkeiten teilhaben zu lassen. Durch euch haben Mittwoche Sinn bekommen 😉
    Guten Rutsch

    • Tina Autor des Beitrages | 27. Dezember 2018

      Ickeligkeiten!!! Das ist super! Kommt auch meine Liste für gute Worte 🙂
      Dir auch ein gesundes, gutes Jahr 2019!
      Guten Rutsch Euch auch!!

  4. Cathrin 27. Dezember 2018

    2019 kann nur gut werden, weil Icke Tina nervt und die sich mit tollen, lustigen, wunderbaren (man beachte die Anhäufung von Adjektiven!) Texten rächt. Ich freue mich immer auf Mittwoch!

    • Tina Autor des Beitrages | 27. Dezember 2018

      Ha! Cathrin, ja…nerven kann er gut! Das wird sich auch in 2019 wohl nicht ändern. 😉
      Ganz lieben Dank!!

  5. Ralf 27. Dezember 2018

    Ein schönes Wortgestöber! Ich wünsche Die einen schönen Start in die neue Wortsaison… Herzlichst, Ralf

    • Tina Autor des Beitrages | 27. Dezember 2018

      DANKE Ralf, das wünsche ich euch mit Eurem Blog auch! 🙂

  6. Tina 27. Dezember 2018

    Und ich dachte, weil dieser Mittwoch auf Weihnachten fällt, ist auch hier Pause.
    Aber nix da!
    Danke liebe Tina!!! 🙂
    Eigentlich mag ich ja Sesselliftfahren sehr gerne…. aber mit Icke?…
    Da krieg` ich dann doch ein wenig Muffensausen.

    Ich freu` mich auf ein Wiedersehen mitten auf der 2019er Piste. Yeah!

    Tina, ich wünsche dir ein wundervolles Jahr 2019, aber nur voll mit feinen, schönen, wünschenswerten Wundern.
    Wer weiß? Vielleicht wandelt sich Icke in 2019? 😉
    Ich wünsche es Dir!

    Danke für Deine knackig, lustigen aber auch so tiefen Texte! Ein dicker Kuss kommt zu Dir rüber! Schmatz!

    • Tina Autor des Beitrages | 27. Dezember 2018

      Liebe Tina!
      Ja wir sehen uns auf der Piste! Ganz sicher!!!! Falls Du jmd mit Kopf voran in einer Schneewehe siehst, könnte ich das sein! Wäre nett, wenn du mich ausgräbst 🙂
      Ich wünsche Dir und deinen Lieben auch ein schönes 2019. Ich glaube, es darf ruhig etwas entspannter sein als 2018, oder? 😉

      Fetten TINA -Knutsch zurück!
      Tina

  7. Eileen 3. Januar 2019

    Nichtsdestotrotz wäre ich dafür gewesen das Icke singt 😀
    Ich wünsche dir ein frohes neues Jahr!

    Meine Beiträge sind teils teils, mal sehr gut geplant und dann frei Schnauze, es kommt auch immer drauf an wie ich Zeit habe und gerade im Flow bin.

    Viele Grüße Eileen von http://www.eileens-good-vibes.de

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