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Nicht mal im Traum

Ich sitze am Tisch und schreibe. Willig reihen sich die Worte zu passablen Sätzen aneinander. Selbst die Satzzeichen bewegen sich ohne Gegenwehr an die richtigen Stellen. Es läuft gut. Lächelnd tippe ich vor mich hin, als es plötzlich kalt wird im Zimmer. Eiskalt. Auf der Tastatur bilden sich Eiskristalle. Panik steigt in mir auf. Ich kann die Buchstaben nicht mehr erkennen. Ein Eiszapfen hängt von meiner Nase. Ich versuche, weitere Worte zu tippen, aber die Eisschicht wird immer dicker. Die Buchstaben auf dem Monitor verwandeln sich in kleine dicke Schneemänner, die hämisch grinsen. Was ist hier los? Meine Hände werden steif. Dann taucht neben dem Schreibtisch ein Mann auf. Die strähnigen Haare hängen ihm in die Stirn. Er ist blass, lässt die Schultern hängen und hat die Hände tief in den Hosentaschen vergraben. „Hallo, ich bin Erich, dein innerer Lektor. Icke meint, du brauchst mich.“, sagt er mit heiserer Stimme. Ich will aufspringen, bin aber festgefroren. „Was willst du hier?“
„Ich habe mir deine Texte angesehen…!“ Er schüttelt bedauernd den Kopf.
„Was? Wieso? Nein…geh weg!“ Hilflos winde ich mich auf meinem Stuhl.
„Es tut mir leid, aber ich muss leider alle deine Texte löschen. Jetzt sofort!“ Dann drückt er mit seinem überlangen Zeigefinger auf die Löschtaste….

Dream Maker

Schweißgebadet wache ich auf. Icke sitzt im Schneidersitz neben mir und kichert. „Und? Wie war der Traum? Dieser Erich ist der Hammer, oder? “
Ich reibe mir die Augen und setze mich auf. „Was? Woher weißt du…?“
„Ich übe gerade Träume machen. Klappt voll super. Vor allem bei Vollmond.“
Jetzt bin ich wach. „Was redest du da für einen Quatsch?“
„Kein Quatsch. Ich hab mir ein Buch gekauft: Kritisieren im Schlaf. Fiese Träume leicht gemacht.
„Icke! Du hast in deinem Leben noch nie ein Buch gelesen! Und Träume machen kannst du auch nicht!“
„Doch! Vorgestern der ist mir auch gut gelungen. Tina und Abiturprüfung in Mathe! Hahahahaha, du hattest ja vielleicht ne Panik!“ Icke klopft sich begeistert auf die Schenkel.
„Das mit dem Abi hast du…? Sag mal, hast du ein Rad ab? Was fällt dir ein? Wie soll das überhaupt gehen?“
„Schätzchen, das ist ganz einfach. Ich schicke einfach zum richtigen Moment ein paar Stichworte an dein Unterbewusstsein und schwups, kommt nen super Traum wieder raus. Wie bei so einem Cocktail-Shaker!“
Ich springe aus dem Bett. „Ich schicke dich gleich auch mal irgendwo hin! Und zwar in die Hölle! Spinnst du? Finger weg von meinen Träumen! Verstanden?“
Icke glotzt mich entgeistert an. “ Ja, aber das ist doch lustig!“
„Nein, ist es nicht! Und du hast ab sofort Unterbewusstseins-Verbot! Das ist alleine mein Bereich. Erwische ich dich bei sowas noch ein einziges Mal, hau ich dich windelweich! Und zwar sehr bewusst!“

Ungefragt

Wütend stapfe ich in die Küche. Das darf ja wohl nicht wahr sein. Nicht mal im Traum habe ich meine Ruhe. Fummelt der ungefragt in meinem Unterbewusstsein rum! Womöglich hat er da auch alles durcheinander gemacht und ich darf das jetzt wieder aufräumen!
Ich reiße den Kühlschrank auf und glotze hinein. Na toll, das letzte Stück Gouda hat er mir auch weg gefressen. Morgen setze ich Icke irgendwo aus! Ich binde ihn im Wald an einen Baum. Oder vielleicht könnte ich ihn mit einem Betonklotz an den Füßen in den See werfen? Am besten ich frage mal mein Unterbewusstsein. Das hat manchmal richtig gute, fiese, gemeine, grausame Ideen, was man in solchen Fällen machen kann…

mit Schreib und Seele,
Tina

Und was war Euer letzter Traum????

4 Kommentare

  1. Maja ¸ღ¸☆´ 28. November 2018

    Ich tendiere zu Betonklotz und See – wobei… Icke findet bestimmt einen Hecht, der nicht ihn sondern den Strick durchbeisst.

    • Tina Autor des Beitrages | 28. November 2018

      ich fürchte, der erzählt dem Hecht solange, was für ein toller Hecht er ist, bis der ihn rettet… ich muss mir was *nachhaltigeres* suchen…

  2. Tina 28. November 2018

    Ach Du Sch… Jetzt wurschtelt Icke auch noch in deinen Träumen herum… Als würde es in der Umkleide oder im Fahrstuhl nicht schon reichen…

    Weißt Du was , Tina? Schicke Icke zu mir. Beim nächsten Seenebel laufe ich mit ihm zum Deich und mache plötzlich die Kehrtwende und dann… Du weisst schon, nich? 😉

    So kann es nicht weitergehen!

    Obwohl…
    Ich schmeiss`mich ja weg vor lachen…
    Aber kurzzeitig liefen mit kalte Schauer über den Rücken:
    „… Dann taucht neben dem Schreibtisch ein Mann auf. Die strähnigen Haare hängen ihm in die Stirn. Er ist blass, lässt die Schultern hängen und hat die Hände tief in den Hosentaschen vergraben. „Hallo, ich bin Erich, dein innerer Lektor. Icke meint, du brauchst mich.“, sagt er mit heiserer Stimme…“ Boah, da wurd` mir ganz anders, gggrrrh.

    Liebe Grüße!

    • Tina Autor des Beitrages | 28. November 2018

      Tina, ich schicke ihn dir gerne!! Du könntest ihn auch nach Übersee schicken…mit som Dampfer? Oder den Möwen zum Fraß vorwerfen? Im Watt vergraben?
      (fressen Wattwürme sowas??)
      Könnte aber sein, dass er alles überlebt und dann bei dir am Tisch sitzt und Hunger hat! Und dann????

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