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Quickie im Aufzug

Bloggen ist nicht einfach bloggen. Es ist, wie ich feststelle, eine eigene Welt. Man bloggt nicht nur, sondern man hostet und wordpresst auch. Ganz abgesehen davon, dass es Sinn machen würde, zu instagramen und zu pinteresten. Man muss sich mit Werbung beschäftigen, mit Branding (hat nix mit Feuerlöschern zu tun!) und Suchmaschinenoptimierung-Gedöns.
Icke und ich haben lange im Netz recherchiert und dabei viele Dinge entdeckt, von denen Icke meint, ich bräuchte sie ganz unbedingt. Je unaussprechlicher sie sind, desto besser findet er sie. Da wäre zum Beispiel ein gutes Content-Management. Ich habe es jetzt schon fünf mal gegoogelt und immer noch nicht ganz verstanden. Ich glaube, es heißt soviel wie: Hab einen Plan oder stirb!
Oder der Elevator-Pitch. Das Ding findet Icke besonders gut, obwohl er ja sonst immer der Meinung ist, ich sollte besser Treppen laufen.

ELEVATOR what?

Man stelle sich vor, man will irgendeiner (wichtigen) Person im Aufzug erklären, welchen Sinn und Zweck man mit seinem Blog verfolgt. Richtig! Im Normalfall will man das nicht. Im Aufzug starrt man eigentlich eher auf den Boden oder in den Spiegel. Es ist viel zu eng. Man hat das Gefühl, der Mitfahrer unterschreitet den Individualabstand und es riecht auch nicht besonders gut. Aber tun wir einfach mal so, als befänden wir uns in einem dieser amerikanischen Spielfilme, wo die wichtigen Gespräche im Aufzug stattfinden. Man trifft auf einen fiesen Boss aus der Führungsetage und ist gezwungen, ihm zu erklären, warum man bloggt. Ansonsten wird man gefeuert. Oder erschossen. Man hat nur sehr wenig Zeit. Zwanzig bis sechzig Sekunden. Also muss man sein Vorhaben in möglichst wenige, aber effektive Worte fassen, dem Typ vor einem an den Kopf knallen und dabei möglichst charmant lächeln. Ansonsten war es das. Im besten Falle zieht er keine Waffe, sondern steigt einfach nur aus und denkt, dass man nicht alle Latten am Zaun hat.

Kammerspiel

Icke und ich haben also Elevator Pitch gespielt. Mangels Aufzug in der Besenkammer. Icke steht zwischen den Regalen und ich tue so, als wenn ich zu ihm in den Aufzug steige. „Guten Tag!“
Keine Antwort
„Ganz schön warm hier drin, was?“ (verlegenes Kichern)
Keine Antwort.
„Wissen Sie, ich bin Bloggerin!“
Keine Antwort
„Herrgott Icke, so geht das nicht!“
„Was denn, ich dachte ich bin ein fieser Boss.“
„Ja, aber so ein bisschen musst du auch mitmachen! Ich steige jetzt noch mal aus und wieder ein und wir fangen nochmal an! Und hör auf, so blöd zu glotzen.“

Ich: „Guten Tag!“
Icke: „Ach, das Fräulein Tina aus dem Aktenkeller. Sagen Sie mal, was machen Sie eigentlich so in Ihrer Freizeit?“
„Naja, wissen Sie, ich blogge. Ich habe einen Blog eröffnet, der sich hauptsächlich mit dem Thema…“
DING!
„Entschuldigen Sie, dass ich Sie unterbreche, aber ich muss aussteigen. Wichtiges Meeting. Aber wenn ich Ihnen was raten darf, Fräulein Tina: So blass, wie Sie sind, sollten Sie besser mehr raus an die Sonne gehen, statt zu bloggen. Den Kram liest eh keiner.“
Icke verlässt grinsend die Abstellkammer und ich könnte ihn erwürgen. Ich renne ihm hinterher. „Du Blödkopf! Was soll das denn jetzt?“
„Wieso? Ich gestalte es so realistisch wie möglich!“
„Aha! Realistisch, ja? Ne, wir machen das jetzt nochmal. Los!“
Ich schubse Icke wieder in die Besenkammer.

Sex sells?

„Los, fang an!“
Icke (genervt): „Ach, das Fräulein Tina…
Ich: „Erstens bin ich kein FRÄULEIN! Wir befinden uns nicht mehr im Mittelalter. Zweitens geht es Sie einen feuchten Kehricht an, was ich in meiner Freizeit mache. Drittens würde Sie mein Blog ohnehin nur interessieren, wenn ich dort Fotos von nackigen Frauen mit Riesenbrüsten posten würden. Weil Sie nämlich zu faul sind, Texte ohne Bilder zu lesen. Und wissen Sie was? Vielleicht mache ich das auch eines Tages. Denn dann wäre mein Elevator Pitch sehr einfach und kurz erklärt: SEX. Das verkauft sich ja bekanntlich immer gut. Und jetzt muss ich leider aussteigen, weil Sie nämlich so dermaßen nach Knoblauch riechen, dass ich Gefahr laufe, ohnmächtig zu werden. Guten Tag!“

So! Das war realistisch. Elevator Pitch…pah! Also ehrlich, wer hat sich denn so einen Quatsch ausgedacht? Ein sprachlicher Quickie im Aufzug, mit einem Fremden? Soweit kommt es noch! Nicht mit mir!

“Knoblauch?“, fragt Icke und riecht an seinen Achselhöhlen.
„Ja, sehr viel Knoblauch!“, sage ich und schlage die Tür der Besenkammer zu. Soll er dort mal ein bisschen in sich gehen. Oder ausdünsten. Oder beides. Ich brauche jedenfalls jetzt dringend etwas Ruhe.

Mit Schreib und Seele,
Tina

P.S.: Das mit den barbusigen Frauen war ein Scherz! Aber halbnackige, attraktive Feuerwehrmänner könnten sich doch ganz gut machen, oder?

6 Kommentare

  1. Achim 26. September 2018

    Nach der Überschrift habe ich da viel mehr „Enthüllungsjounalismus“ erwartet – ich habe aber durch deinen heutigen Beitrag eine neue Idee – ich werde morgen anfangen, die Besenkammer zum Fahrstuhl umzubauen.

    • Tina Autor des Beitrages | 26. September 2018

      Merke: es gibt Leute, denen hat die Besenkammer gereicht, um besondere und nachhaltige Veränderungen in ihrem Leben herbeizuführen 😉

  2. Gerrit 26. September 2018

    Sex sells!! Erwähne das Wort „Quickie“ in der Überschrift und schon ist deine männliche Leserschaft bei der Stange…..(war die Formulierung jetzt irgendwie doppeldeutig….Hmmmm!!)
    LG
    Gerrit

    • Tina Autor des Beitrages | 26. September 2018

      so war es gedacht 😀 Ich muss ja langsam mal härtere Mittel auffahren… 😀 (war das auch doppeldeutig? ne oder?)

  3. Eileen 6. Dezember 2018

    Jetzt verstehe ich endlich wozu die Abstellkammern in Wohnungen dienen 😉

    Ich gebe dir Recht als ich im März mit dem bloggen anfing war ich ebenfalls sehr schnell am Limit. Was man alles beachten muss, nur um ein paar Zeilen zu tippen, selbst gemachte Bilder hochzuladen etc. Nun gut… irgendwann hat man dann den Code des Buches mit 7 Siegeln geknackt aber einfach ist es bis heute nicht. Ich habe das Gefühl, kaum hat man das eine verstanden taucht wo anders etwas neues auf und man steht verwirrt da.

    Aber unterkriegen lassen dürfen wir uns nicht!! Ich find deinen Schreibstil so lustig 😀 Das macht gute Laune.

    Viele Grüße Eileen von http://www.eileens-good-vibes.de

    • Tina Autor des Beitrages | 6. Dezember 2018

      Liebe Eileen, ich hab auch keine Ahnung, wer diese ganzen komischen Dinge erfunden hat, die man braucht, um einen Blog zu führen.
      Aber wir kriegen das hin. DU jedenfalls kriegst das super hin!!
      HEY Leute, wenn Ihr euch von Icke erholen wollte, empfehle ich: http://www.eileens-good-vibes.de
      Sobald ich da drauf klicke, riecht es nach Zimt…oder nach Lavendel…nach gemütlich!!! Ganz wirklich!
      😀

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