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Icke und die Stille

Es ist leichter, einem Rosinenbrötchen das Socken stopfen beizubringen, als Icke das Meditieren. Dabei soll das so gesund sein. (Das Meditieren! Ob Socken stopfen gesund ist, weiß ich nicht). Also nähere ich mich diesem hochmodernen Thema einfach mal an. Das kann ja nicht so schwer sein, denn hinsetzen und nichts tun kann ich für gewöhnlich ganz gut. Aber mein innerer Kritiker kann Stille nicht leiden. Er hasst es, wenn es ruhig wird. Er neigt dann zu Übersprungshandlungen und kann nicht aufhören zu reden. Kaum schließe ich die Augen und beobachte meinen Atem, wird Icke nervös. „Musst du nicht den Lotussitz machen?“
„Nein Icke, muss ich nicht!“
„Oder wenigstens auf nem Nagelbrett sitzen?“
„Ruhe jetzt!“
„Es juckt am Hintern.“
„…“ (einatmen)
„Es juckt wirklich ganz doll.“
„…“(ausatmen)
»Du hast vergessen, Milch zu kaufen.«
Ich reiße die Augen auf. »Scheiße!«
„Tja, morgen nix lecker Milchkaffee.«
„…“ (AUUUSATMEN)
»Entschuldigung, du müsstest erst wieder einatmen!«
„Was? Oh mann, halt jetzt die Klappe! “
»Es juckt! An der Nase!«

Do not disturb, doofer Dämon

Der Meditations-Profi beobachtet die Szenerie einfach nur und wartet, bis es ruhiger wird. Aber bei Icke wird nix ruhiger. Er hat akutes MADS – Meditations-Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom. Unheilbar. Er ist mein persönlicher Meditations-Dämon. Auch der heilige Buddha unterm Bodhibaum hatte mit so einem zu kämpfen. Ich vermute jedoch, dass der im Vergleich zu Icke wirklich harmlos war. Buddhas Quälgeist hieß nämlich Mara. So heißt doch kein durchtriebener Dämon und bestimmt war Mara auch viel netter als Icke. Unglaublich, was der alleine in fünf Minuten rumsitzen alles an Tricks abspult, um mich von einer möglichen Erleuchtung abzubringen. Da werde ich mir noch ganz schön lange den Hintern platt sitzen müssen. Es ist auch sicher kein Zufall, dass ich das Wort Meditation nie fehlerfrei tippen kann. Bei mir verweigert sich immer das t und übrig bleibt: MEDIATION. Wenn das Mal nichts zu bedeuten hat.

Ruhig weiter atmen

Ich weiß, es gibt kein Richtig und kein Falsch in der Meditation. Für den Anfang reicht das Wissen, dass Gedanken ein wirres Eigenleben führen und sich zusammen mit Icke aufführen wie ein Sack irrsinniger Flöhe. Icke findet das gut, weil ich ihm so nicht auf die Schliche komme. Glaubt er! Aber heute Abend werde ich mich auf mein neues Meditationskissen »Calming breath« setzen und  beobachten, wie Herr Nervensäge das Kissen einem ausführlichen Produkttest unterzieht. Ich vermute, er wird sagen, dass es unbequem und von schlechter Qualität ist. Er wird mir eindringlich mitteilen, dass ich nicht gerade genug sitze. Er wird sagen, dass es zu kalt ist. Oder zu warm. Er wird mir das Fernsehprogramm vorlesen. Er wird…er wird…er wird…
Ich dagegen werde aufsteigende Mord-Gelüste einfach nur beobachten. Ganz gelassen. Ich werde einatmen und vermutlich auch wieder ausatmen…und ein und aus und ein……

Mit Schreib und Seele,
TINA

Und? welche Tricks haben eure Dämonen auf Lager? 

13 Kommentare

  1. Sylvia 29. August 2018

    Mein Dämon ist das genaue Gegenteil von Icke. Wann immer ich voller Tatendrang stecke und Dieses und Jenes erledigen möchte, schreit er mich an … SETZ DICH! Atme ein und aus … entspanne dich, denke nicht … Früher habe ich mich gewehrt, bemerkte aber dass es nichts nützt. Also atme ich ein und aus, lächle und denke an Nichts.

    • Tina Autor des Beitrages | 29. August 2018

      dann bist du ja sozusagen schon Profi 🙂

  2. Maggi 29. August 2018

    Mein innerer „Gesangsverein“ schickt beim Meditieren fast immer den einschläfernden Schweinehund, auch Sandmännchenbremse genannt, vor, der mich statt in die Weite der Stille in das Land der Träume entführt…auf dass ja keine erleuchtenden Gedanken aufkommen können, denn die könnten ja bedeuten, dass Bewegung in den Laden kommt…
    Und bevor jetzt gutgemeinte Tipps zum Meditieren im Sitzen kommen… die Sandmännchenbremse schlägt auch im Sitzen zu. Was gar nicht immer so ungefährlich ist, wie so manche Fast-vom-Stuhl-Fall-Momente beweisen. Vielleicht schaff ich es ja mal, mich beim Schlafen zu beobachten 🙂 … das wäre dann sozusagen eine Meditations-Kür.

    Wünsche dir weiterhin ruhiges Atmen und Beobachten der Mordgelüste.
    LG/ MAGGi

  3. Muschelschubser 29. August 2018

    Och, wenn der nervt geh ich ans Meer,
    lausche dem Rauschen der Wellen
    und wenn Icke eingeschlafen ist,
    geh wieder nach Haus !
    😉

    • Achim 29. August 2018

      So ein Stück Meer wär nicht schlecht – schickst Du mir ein paar Hektar/Liter rüber. 🙂

      • Tina Autor des Beitrages | 29. August 2018

        geht im Zweifel auch mit Augen zu in Badewanne 😀

        • Achim 29. August 2018

          Ok – Dusche in Badewanne umbauen 🙂

          • Tina Autor des Beitrages | 29. August 2018

            du denkst womöglich zu kompliziert? Du kannst auch einfach den Wasserhahn am Waschbecken laufen lassen 😉

        • Margrit 29. August 2018

          Ja, herrlich Meditation in warmen nach Kiefernadeln duftendem Wasser. Blöd ist nur, dass dann das Sandmännchen vorbei huscht. Statt Erleuchtung gibt es Tiefenentspannung im Reich der Träume.

    • Tina Autor des Beitrages | 29. August 2018

      ja Meer geht auch gut. Nur Icke meint, das Rauschen würde nerven… 😀

  4. Achim 29. August 2018

    Ich werde gezwungen zum meditieren – da gibts keine Ausflüchte mehr. Ich tu`s nun.
    Achim

  5. Gene 29. August 2018

    Det Meditier
    Empfiehlt euch hier:
    Den Atemfluss
    zum Musenkuss

    Aus — Ein — Aus — Ein

    Liebe Tina, schenk deinem ICKE einen Schleier, dann hat er was zum Spielen und du kannst dich ganz deiner Mediation widmen.

    • Tina Autor des Beitrages | 29. August 2018

      werde ich ausprobieren… 😉

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